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“Die Wirtin”
Komödie von Peter Turini

Zum Inhalt:
Mirandolina, selbstbewusste Wirtin eines Florentiner Wirtshauses, hat alle Mühe, sich die Männer, die in hartem Wettkampf um ihre Liebe stehen, vom Leib zu halten.
“Ich brauche Sie nicht, verehrte Männer. Nein, das stimmt nicht. Ich geniesse Ihre verliebten Kalbsaugen, ich ergötze mich an Ihrer schmachtenden Ordensbrust. Sie sind so zauberhafte Karikaturen, meine Herren. Sie sehen, ich habe mein eigenes Vergnügen an Ihnen.”

Um ihre Gunst buhlen ein armer Marchese mit Verehrung und Anbetung, ein reicher Graf mit Geld und grosszügigen Geschenken und der Kellner Fabrizio, ein kleiner Gauner aus Neapel, der mit proletarischem Charme punktet.
“Sie haben ein Gasthaus und keinen Mann.” “Richtig. Und du bist ein Mann und hast kein Gasthaus.”

Dejanira und Ortensia, zwei ordinäre Florentiner Dirnen, sollen sich nach Fabrizios Plan als reiche, “adelige” Damen ausgeben, um die buhlenden Aristokraten zu ködern.
“Ein paar falsche Titel. Und schon läuft die Sache richtig.”

Doch Mirandolina hat es darauf abgesehen, den fanatischen Weiberhasser Cavaliere von Rippafrata mit allen Mitteln weiblicher Verführungskunst an sich zu locken. Ihr Vorhaben gelingt.
“O, Weib, meine Sehnsucht verschlingt die Entfernung! Stosse mich in die Quellen des Lebens!”

Als ihr der liebestolle Cavaliere in hoffnungsloser Leidenschaft zu Füssen liegt, quält sie ihn bis zur Verzweiflung und reicht ihre Hand -dem Kellner Fabrizio.
“Du bist der Mann im Haus, und ich bin die Frau im Haus. Wir machen alles gemeinsam. Einverstanden?”

Die Rache des gedemütigten Aristokraten ist bitter: er hat Mirandolinas gepachtetes Wirtshaus dem ehemaligen Besitzer abgekauft und degradiert sie zum Küchenmädchen. Fabrizio wird den Gerichten ausgeliefert.
“Als verantwortlicher Besitzer sehe ich mich gezwungen, einige personelle Veränderungen vorzunehmen.”

Die Rollen und ihre Darsteller:

Mirandolina

Marianne Henske

Fabrizio

Andreas Zöhner

Cavaliere v, Rippafratta

Mathias Ehlers

Graf v. Forlinpopoli

Stefan Niemann

Marchese v. Albafiorita

Horst Frank

Dejanira

Kirsten Freygang

Ortensia

Jutta Denke

 

 

Regie

vhs theater heide

Über den Autor:Turini
Peter Turrini (* 26. September 1944 in St. Margarethen im Lavanttal -heute Stadtteil von Wolfsberg) ist ein österreichischer Schriftsteller. Er ist bekannt
für seine gesellschaftskritischen und provokanten Heimatstücke.
Peter Turrini wuchs in Maria Saal in Kärnten auf. Über den Tonhof des Komponisten Gerhard Lampersberg bekam er früh Kontakt mit Vertretern der Wiener Avantgarde. Von 1963 bis 1971 war er in verschiedenen Berufen tätig. Seit 1971 lebt er als freier Schriftsteller in Wien und Retz. Er schreibt Theaterstücke, Drehbücher, Gedichte, Aufsätze und Reden. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt, und seine Theaterstücke werden weltweit gespielt. Peter Turrini wurde durch Rozznjogd (1971), Sauschlachten (1972)
und die Fernsehserie Alpensaga (1974-1979) bekannt. 1988 schrieb er die Minderleister. Seiner Meinung nach sei es nicht Aufgabe des Theaters Wirklichkeiten naturalistisch zu schildern und Probleme zu lösen, sondern diese übertrieben aufzuzeigen. Er schildert die negativen Seiten der (Arbeits-)Welt in krassester Form, in der Hoffnung, dass die Wirklichkeit hinter der Dramatik des Stückes zurücksteht. In seinen ersten beiden Werken
verwendete er Dialekt, in den Minderleistern aber eine kunstvolle “hohe”
Sprache. Turrini beteiligte sich an unzähligen Autorenlesungen. So auch
des öfteren am Linken Wort, einer Autorenlesung mit politischen Akzenten,
die im Rahmen des jährlichen Volksstimmefests durchgeführt wurde. Peter Turrini ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung.

Aufführungstermine:
Am 16.06., 19.06., 20.06., 24.06., 25.06. und 26.06.88 im Postelheim in Heide.

Presseberichte:
Premierenpublikum war begeistert

Heide (AM) “... Mit weissen Lockenperücken und Kratzefuss begrüssten sich denn auch mit gegenseitiger Unaufrichtigkeit der reiche Graf (Stefan Niemann) und der verarmte Marchese (Horst Frank), die sich um die Gunst der schönen Wirtin Mirandolina (Marianne Henske) auszustechen versuchen. Das wiederum behagt dem Hausknecht und Kellner Fabrizio (Andreas Zöhner) so ganz und gar nicht, hat er doch gleichfalls ein Auge auf die Wirtin geworfen, in deren Gasthaus zu Florenz er so gern den Wirt abgeben möchte.
Gewiss, Mirandolina mag ihn, obwohl er ein gerissener Windhund ist, der zwei junge Komödiantinnen (Kirsten Freygang und Jutta Denke) einspannt, um seine Nebenbuhler auszuspannen, auf die er schrecklich eifersüchtig ist. Mirandolina dagegen, die sich so sehr der Männergunst erfreut, reizt es ganz ungeheuer, mit weiblicher Raffinesse einen groben Weiberfeind unter ihren Gästen (Mathias Ehlers) zu Fall zu bringen, was dieser niemals für möglich gehalten hätte...
Das Premierenpublikum...ging begeistert mit und amüsierte sich köstlich...”

Dithmarscher Landeszeitung vom 27. Juni 1988