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Pygmalion”
von George Bernhard Shaw
 

Die Rollen und ihre Darsteller:

Henry Higgins

Andreas Zöhner

Mrs. Higgins

Jutta Voigt

Mrs. Pearce

Petra Ehlers

Oberst Pickering

Stefan Niemann

Alfred Doolittle

Dietrich Voigt

Eliza Doolittle

Britta Hansen

Mrs. Eynsford-Hill

Astrid Blöhß

Clara

Jutta Denke

Freddy

Hannes Groncki

Ein Mann

Adolf Sinhuber

Ein Mann

Horst Frank

Ein Zuhörer

Mathias Ehlers

Stubenmädchen

Angela Arndt-Rohde

 

 

Regie

vhs theater heide

Über das Stück:
Der Titel des Stücks spielt auf den gleichnamigen Bildhauer in Ovids Metamorphosen an, der sich in die von ihm geschaffene schöne Statue Galatea verliebt, die dann auf seine Bitten hin von Aphrodite zum Leben erweckt wird. Pygmalion hat nicht nur auf der Bühne und im Film, sondern auch in der Musical-Version My Fair Lady (1956) von A. J. Lerner (Musik von F. Loewe) einen überwältigenden, seit Jahrzehnten anhaltenden Publikumserfolg errungen.

Der Phonetik-Professor Henry Higgins wettet mit dem Sprachwissenschaftler Pickering, daß er das Blumenmädchen Eliza Doolittle von ihrer vulgären Gossensprache befreien und ihren Akzent in den einer Dame der feinen Gesellschaft verwandeln wird. Eliza will das Idiom der oberen Gesellschaftsschichten erlernen, um eine Stelle als Verkäuferin zu bekommen. Nach einigen Wochen harter Arbeit wird Eliza, die sich von einem Aschenbrödel in eine attraktive junge Dame verwandelt hat, bei Mrs. Higgins erstmals einer kleineren Öffentlichkeit vorgeführt, darunter Mrs. Eynsford Hill, deren Tochter Clara und Sohn Freddy, der sich sogleich in das schöne, elegant gekleidete Mädchen verliebt. Unverkennbar aber sind die (sehr komisch wirkenden) Widersprüche zwischen Elizas perfekten Manieren und ihrer banalen, phrasenhaften Konversation, die sie als Angehörige der Unterschicht bloßstellt. Die kluge und scharfsinnige Mrs. Higgins kann ihren Sohn nicht davon überzeugen, daß die Ergebnisse seiner Erziehung katastrophale Folgen für das ehemalige Blumenmädchen haben könnten. Nach sechs Monaten wird Eliza, wie im Märchen, auf einem Gartenfest präsentiert; den überwältigenden Triumph seiner nun zu einer wirklichen Dame avancierten Schülerin sieht Higgins allein als sein Verdienst an. Aber Eliza, der bewußt geworden ist, daß ihr "Schöpfer" sie gar nicht als menschliches Wesen, sondern lediglich als eine von ihm geschaffene Puppe einschätzt, verläßt Higgins' Haus und geht zu seiner Mutter. Vergeblich versucht Higgins sie zur Rückkehr zu bewegen. Eliza hat sich emanzipiert; eine Heirat mit dem mittellosen Freddy würde diese Emanzipation nicht gefährden, da dessen Armut sie dazu zwänge, für sich selbst eine eigene Arbeit zu suchen. Elizas Vater ist quasi den umgekehrten Weg gegangen. Der arme Müllkutscher war zunächst mit fünf Pfund zufrieden, die Higgins ihm für das Recht, seine Tochter zu erziehen, angeboten hatte. Aufgrund einer unbekümmerten Bemerkung des Professors hat Doolittle nun ein Legat von einem amerikanischen Millionär erhalten, das ihn zu einem wohlhabenden, aber nicht sehr glücklichen Mann machen wird.

S. verzichtet auf den typischen Komödienschluß – eine "Romanze", wie er das Schauspiel ironischerweise bezeichnet, ist die Geschichte von Eliza nicht. In einem Nachwort bestätigt der Autor den im Stück angelegten Ausgang. Eliza heiratet nicht Higgins, sondern Freddy, mit dem zusammen sie ein gutgehendes Blumengeschäft aufbaut.

Über den Autor:shaw
Die "Ideendramen" Shaws haben, trotz ihrer für das heutige Verständnis nur noch bedingt aktuellen Themen, wenig von ihrer Attraktivität eingebüßt. Stücke wie “Die heilige Johanna” (1923), “Helden” (1894) und “Pygmalion” (1913) werden auch auf deutschen Bühnen immer wieder aufgeführt. – George Bernhard Shaw. wurde in Dublin als Sohn anglo-irischer Eltern geboren. Der Vater, ein Kornhändler, war Trinker, den Shaws Mutter nach dem Niedergang des Geschäfts verließ, um sich zusammen mit ihrem Gesangslehrer in London niederzulassen. Die schwierige Jugend, die der junge Shaw
durchlebte, ließ ihn früh zu einem ausgeprägten Individualisten heranreifen. Die Tätigkeit in einem Immobiliengeschäft gab er nach fünf Jahren auf und zog (1876) zu seiner Mutter nach London. In der Bibliothek des British Museum macht sich Shaw u. a. mit den Werken der Sozialphilosophen und Naturwissenschaftler J. S. Mill, Th. H. Huxley, H. Spencer,
Ch. Darwin und mit K. Marx' Kapital bekannt. 1884 wurde er Mitglied der im selben Jahr gegründeten
"Fabian Society", deren Anhänger den Sozialismus in England verwirklichen wollen (Fabian Essays, 1889). Shaw verachtete die laissez-faire-Ordnung des Manchestertums. Für uns heute unverständlich ist allerdings die Tatsache, daß er ein Verteidiger Stalins war, den er bewunderte, weil er die alten Ordnungen zerstört hatte. Seine Abneigung gegenüber den Wertmaßstäben der Gesellschaft bekräftigte Shaw 1925 mit der Ablehnung des ihm zugesprochenen Nobelpreises.

Die in den Jahren 1876–1885 entstandenen Romane Shaws sind so gut wie vergessen. Shaws eigentliches Metier war das Theater, dem er zunächst als Kritiker, dann (ab 1892) als Dramenautor entscheidende neue Impulse gab. Die Bühne, so erkannte er, eignet sich in vorzüglicher Weise zur Erziehung und Belehrung des Publikums. Da aufgrund der ökonomischen Situation des englischen En-Suite-Theaters, das – im Gegensatz zum subventionierten (deutschen) Repertoire-Theater – auf die lange Laufzeit eines einzigen Stückes angewiesen ist, die Publikumswirksamkeit eine wichtige Rolle spielt, mußte Shaw in besonderem Maße darauf bedacht sein, die didaktischen Elemente seiner Stücke in eine möglichst unterhaltsame Form einzukleiden. Anders als die konventionellen Dramen seiner Zeit, die in aller Regel das Wertesystem der viktorianischen Gesellschaft bestätigten, provozierte Shaw sein Publikum mit "unangenehmen" Stücken, wie er sie selbst nannte, indem er z. B. in “Frau Warrens Gewerbe” (1902) die scheinheilige Sexualmoral, in “Der Arzt am Scheideweg” (The Doctor's Dilemma, 1906) die Moralvorstellungen der Wissenschaftler, in “Cäsar und Cleopatra” (1901) die melodramatische Scheinwelt seiner Zeitgenossen, in “Major Barbara” (1905) die christlichen Ideen der caritas und der Verklärung der Armut attackiert.

Aufführungstermine:
Am 27.05., 28.05., 29.05., 03.06., 04.06., 05.06., 10.06. und 11.06.94 im Heider Postelheim, am 09.09.94 in der Meldorfer “Ditmarsia” und am 08.10.94 in Wyk auf Föhr.

Presseberichte:

Von der Gassenschlampe zur Herzogin
„Pygmalion“ - VHS Theatergruppe spielte in Bestform

... Die Premiere im wiederum ausverkauften Postelheim war - schon bald überflüssig, es zu erwähnen - ein voller Erfolg. Der letzte übrigens im Postelheim, denn im Sommer muß das Ensemble aus organisatorischen Gründen in die Markthalle umziehen...
Die Eliza spielte Britta Hansen, die vor allem zu Beginn in der Rolle des einfachen und sprachlich minderbemittelten Blumenmädchens Pluspunkte zuhauf sammelte. Es war einfach ein Genuß, wie sie die sensible, kreischende und mit falscher Grammatik glänzende Eliza gab; besonders lobenswert auch deshalb, weil Britta Hansen zum ersten Mal auf der Bühne stand. Nicht weniger überzeugend Andreas Zöhner: Seine verbalen Entgleisungen und emotionalen Ausbrüche als
Prof. Higgins kamen so hervorragend und echt, daß man ihnen gar nicht anmerkte, sie könnten nur gespielt sein. Wie gewohnt souverän spielten Dietrich Voigt (Alfred Doolittle), Petra Döhren (Mrs. Pearce) und Stefan Niemann (Oberst Pickering) sowie Jutta Voigt (Mrs. Higgins). Weiterhin erstmalig dabei waren Astrid Blöhß und Hannes Groncki, die ebenfalls ohne Fehl und Tadel debütierten.
Mit „Pygmalion“ lieferte die VHS-Theatergruppe zum wiederholten Male eine überaus gelungene Aufführung ab; ...
von Jan-Ole Claussen

Dithmarscher Landeszeitung vom 30. Mai 1994