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"Nora"
von Henrik Ibsen, Schauspiel in drei Akten

Zum Inhalt:
Rechtsanwalt Helmer, nach einer langen Zeit der finanziellen Nöte, zum Direktor einer Aktienbank ernannt, hält sich seine Frau Nora wie ein Spielzeug.
Im "Puppenhaus" soll mit den drei Kindern und dem befreundeten Dr. Rank Weihnachten gefeiert werden.
Aber "Norachen" ist gar nicht so unscheinbar, wie es den Anschein hat. Vor Jahren hat sie mit einem gefälschten Wechsel Geld für eine Reise in den Süden beschafft, um ihrem schwerkranken Mann das Leben zu retten. Gläubiger Krogstadt, wegen einer Urkundenfälschung zum Winkeladvokat verkommen, hat einen kleinen Posten bei der Bank, die Helmer übernehmen will. Als Helmer dem verkrachten Krogstadt kündigt, um einer Jugendfreundin Noras den Posten zu geben, erpresst Krogstadt Nora. Mit dem immer größer werdenden Unheil, dass sich über der Kindfrau zusammenbraut, beginnt Nora sich zu entpuppen.


Nachdem viele namhafte Regisseure dieses Stück auf die Bühne gebracht haben, wagt sich nun auch das vhs theater heide an die Inszenierung von Ibsens "Nora". Mit dem Entschluss des vhs theater heide das Stück so auf die Bühne zu bringen, wie Ibsen es geschrieben hat, möchte sie es dem Zuschauer selbst überlassen aktuelle Bezüge herzustellen. Drückende Schulden, die Jagd nach Prestige, sowie Gleichberechtigung in der Ehe, haben an Aktualität genauso wenig verloren, wie Ibsens Grundsatz: "Jeder Mensch muss ein selbstbestimmtes Leben führen dürfen".
Ibsens Absicht, die Justiz anzugreifen, bietet auch heute einen interessanten Zugang zu dem 1879 entstandenen Stück: " Gesetze fragen nicht nach Beweggründen".

Die Rollen und ihre Darsteller:

 

 

Advokat Helmer

Andreas Zöhner

Nora

Martina Schulz-Dräger

Dr. Rank

Frank Lohde

Frau Linde

Ulrike Sprick

Rechtsanwalt Krogstedt

Stefan Niemann

Anne-Marie

Anita Scheppan

Hausmädchen

Antje Hennings

 

 

Souffleuse

Karin Heinevetter

Regie

vhs theater heide



Über den Autor:ibsen1
Geboren am 20.3.1828 in Skien. Sohn eines reichen Kaufmanns, der bei seinem Bankrott aus der Gesellschaft ausgestoßen wurde; diese bittere Erfahrung des 8jährigen wurde später für ihn zum Hauptthema vieler Dramen.

Er beschloß, zum »Broterwerb« Apotheker zu werden, und schrieb 1848 - dem Revolutionsjahr - neben revolutionären Gedichten das Schauspiel »Catilina«, eine Abrechnung mit der Gesellschaft Roms. 1850 Stud. med. in Oslo. Starkes politisches Engagement. Freundschaft mit Björnson. 1851 künstlerischer Leiter des neuen Theaters in Bergen, in dem seine Stücke aufgeführt wurden, wodurch er praktische Erfahrungen in der Dramaturgie sammelte. 1852 Studienreise nach Dresden. 1857-1862 Direktor des »Norske Teatret«, Oslo, dessen Zusammenbruch ihn auch wirtschaftlich schwer belastete. 1858 Heirat mit Susannah Thoresen. 1864 erhielt er durch die Vermittlung Björnsons ein Stipendium für eine Studienreise ins Ausland und blieb bis 1891 in Rom, Dresden und München. Mit seinem Thesen- und Diskussionstheater wurde er besonders mit den Stücken aus dieser Periode zum Begründer einer modernen Schauspielkunst. Bei seinem Tode am 23.6.1906 in Oslo hielt man ihn für den größten »modernen« Dichter.

Bedeutender norwegischer Dramatiker, der mit seinen gesellschaftskritischen Anliegen als Kämpfer gegen anfechtbare bürgerliche Moral und die »Lebenslüge« gilt. Während seine Geschichts- und Weltanschauungsdramen, zum Beispiel »Nordische Heerfahrt« (1858) oder »Peer Gynt« (1867), unter Zeitverfallenheit leiden, erweisen sich gerade die zeitgebundenen Gesellschaftsstücke als überzeitlich aktuell durch ihr menschlich-revolutionäres Anliegen. Zwar haben sich die Akzente häufig - wie etwa in »Nora« - verlagert, ohne daß jedoch das Anliegen an Eindringlichkeit verloren hat.

Aufführungstermine
im Stadttheater, Saal 2, Rosenstrasse15, 25746 Heide

30. Januar 2004 (Fr) um 20 Uhr (Premiere)
01. Februar 2004 (So) um 17 Uhr
04. Februar 2004 (Mi) um 20 Uhr
06. Februar 2004 (Fr) um 20 Uhr
07. Februar 2004 (Sa) um 20 Uhr

Kartenvorverkauf ab Mo., 05. Januar 2004
im Stadttheater Heide, Rosenstraße 15, 25746 Heide,
Tel: 0481/686866
Eintrittskarten: 5,00 EUR / erm.: 3 EUR

Gastspiel in der Meldorfer "Ditmarsia"
am 12. März 2004 (Fr) um 20 Uhr

Presseberichte:

Bericht vom 02. Februar 2004

Zwischen Anpassung und Revolution
Theater der Volkshochschule feiert Premiere mit „Nora
von Werner Siems

HEIDE - Mit großem Beifall bedachten die Zuschauer im gut besuchten kleinen Saal des „Stadttheaters“ die Premiere von „Nora“, dem bekannten und anspruchsvollen Schauspiel des Norwegers Henrik Ibsen - inszeniert vom VHS-Theater Heide

Als das Stück 1879 in Kopenhagen unter dem Originaltitel „Das Puppenheim“ Premiere feierte, reichten die Reaktionen der Zuschauer von Beifallsstürmen bis zu empörten Protesten. Denn Ibsen wagte es, in seinem Schauspiel sowohl eine Lanze für die Frau zu brechen als auch die Begriffe Recht und Gerechtigkeit zu thematisieren.

Auch heute, nach 125 Jahren, hat „Nora“ nichts von seiner Aktualität verloren. Die VHS-Theatergruppe brachte das Schauspiel so auf die Bühne, wie Ibsen es schrieb - es wurde weder modernisiert noch in unsere heutige Zeit adaptiert.

Mit der Inszenierung zeigten die Laienschauspieler eine erstklassige Leistung. Obwohl sich die Theatergruppe im Laufe ihres 25-jährigen Bestehens bereits mit anspruchsvollen Aufführungen einen Namen gemacht hat, dürfte sich „Nora“ als einer der Höhepunkte dieser Zeit erweisen.

Beeindruckend waren die schauspielerischen Leistungen der Darsteller: Martina Schulz-Dräger in der Titelrolle als Nora, Andreas Zöhner als ihr Ehemann Torvald Helmer, Frank Lohde als todkranker Doktor Rank, Ulrike Sprick als Noras Jugendfreundin Christine Linde, Stefan Niemann als Winkeladvokat Krogstadt, Anita Scheppan als Kinder- und Antje Hennings als Hausmädchen.

Das Stück steht und fällt mit den Leistungen der Schauspieler, die die exakt gezeichnete Charaktere darstellen müssen - ganz besonders die beiden Rollen der Hauptdarsteller. Martina Schulz-Dräger agierte als Nora zweieinhalb Stunden ununterbrochen auf der Bühne - neben der darstellerischen auch eine große physische Leistung.

Doch sie spielte die junge Nora nicht nur, sie durchlebte jede Phase deren Entwicklung. Mit ihrer starken Ausdruckskraft, mit jeder Gestik bis zur kleinsten Bewegung ihrer Finger, stellte sie glaubhaft Noras Zerrissenheit zwischen der Anpassung an gesellschaftliche Zwänge und der sich unter der Oberfläche anbahnenden Revolution dar. Bei der finalen Wandlung zur selbstbewussten Frau, die herausfinden muss, „wer recht hat - die Gesellschaft oder ich“, wurde die Befreiung von alten Normen körperlich spürbar.

Auch Andreas Zöhner als arroganter und selbstgerechter Ehemann verkörperte seine Rolle mit beängstigender Überzeugungskraft. Jeder Tonfall, jeder Blick seiner Augen, aber auch jedes Lächeln ließen seine Voreingenommenheit und die Kälte in der Beziehung zu seiner Frau deutlich werden.

Trotz der Dauer von zweieinhalb Stunden traten keinerlei Längen auf. Das Spiel der Darsteller blieb stets fesselnd, die Handlung immer spannend - obwohl der Handlungsablauf dieses Klassikers der Weltliteratur bekannt ist. Die Inszenierung des VHS-Theaters Heide stand der einer Profi-Bühne in nichts nach - darin waren sich die Zuschauer am Ende der Vorstellung einig.

Weitere Aufführungen sind am Mittwoch, 4., am Freitag, 6., und Sonnabend, 7. Februar, jeweils um 20 Uhr. Vorverkauf unter Tel. 0481/686866.

Dithmarscher Landeszeitung vom 02. Februar 2004